Berlin

Andreas und ich (beide blind) waren 2023 mit einer Assistentin für vier Tage in Berlin. Hotel und Assistenz hatten wir über „Schottland für alle“ gebucht. Der Firmenname ist etwas irreführend, da sich das Angebot nicht auf Schottland beschränkt. Das Unternehmen organisiert weltweit Individual- und Gruppenreisen für Menschen mit Behinderungen. Wir haben in den letzten Jahren auch schon weitere Urlaube mit „Schottland für alle“ gemacht: in Ostfriesland, London, Hamburg, Köln, Meran und Triest.

Stadtrundfahrt

In Städten, die wir zum ersten Mal besuchen, machen wir sehr gerne eine Rundfahrt mit einem Hop-on-Hop-off-Bus, um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuklappern. In Berlin haben wir die Fahrt mit unserem 24-Stunden-Ticket sogar zweimal gemacht: einmal für den Überblick, und dann noch einmal, um bei einigen Stationen auszusteigen.
Bei folgenden Stationen haben wir Halt gemacht:
Potsdamer Platz, Checkpoint Charlie, Alexanderplatz, Brandenburger Tor, Siegessäule und East Side Gallery.

Tastmodelle

Eine Empfehlung für blinde Menschen:
in der Ausstellung „Berliner Stadtmodelle“ am Köllnischen Park 3 gibt es einiges zu ertasten:

  • ein Modell der Berliner Innenstadt, bei dem für viele interessante Gebäude eine Audio-Information abgerufen werden kann
  • Tastmodelle des Berliner Fernsehturms, der Siegessäule und des Brandenburger Tors im Maßstab 1:100
  • ein Wandrelief, auf dem die Berliner Flüsse und Seen taktil dargestellt sind

Modelle und Stadtplan entstanden im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Zusammenarbeit mit dem „Institut für Architektur, Fachbereich Modell und Design“ der Technischen Universität Berlin und einem Team von Menschen mit Behinderungen.
Aus Sicherheitsgründen ist der individuelle spontane Besuch der Stadtmodelle nicht mehr möglich. Einzelpersonen und Gruppen werden gebeten, sich für den Besuch der Stadtmodelle anzumelden.

DDR-Museum und Wassertaxi

Zwei Erlebnisse, die sich sehr gut miteinander verbinden lassen, sind ein Besuch des DDR-Museums und eine Fahrt mit dem Berliner Wassertaxi auf der Spree, da sich die Anlegestelle direkt vor dem Museum befindet.
So haben wir es auch gemacht und beides gehört zu den Highlights unseres Urlaubs.

  • Das DDR-Museum zeigt interaktiv das Leben in der DDR. Man kann sich zum Beispiel in einen Trabi setzen, eine Gefängniszelle betreten oder eine lebensnah nachgebaute Plattenbau-Wohnung besuchen. Die Ausstellung ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und hat uns sehr beeindruckt.
  • Anschließend haben wir eine einstündige Schiffsfahrt mit dem Berliner WassertTaxi auf der Spree unternommen. Das Tolle daran war, dass über Lautsprecher in guter Audioqualität sehr viele Informationen vermittelt wurden. An folgenden Sehenswürdigkeiten und Orten sind wir vorbeigekommen:
    Fernsehturm, Rotes Rathaus, Nikolaiviertel, Mühlendamm, Marstall, Berliner Dom, Museumsinsel, Weidendammer Brücke, Bahnhof Friedrichstraße, Reichstag, Regierungsviertel, Kronprinzenbrücke, Berliner Hauptbahnhof, Schweizer Botschaft, Bundeskanzleramt, Tiergarten, Siegessäule und das Haus der Kulturen der Welt.
    Es gibt auch einen zweiten Abfahrtsort: die Anlegestelle Zeughaus am U-Bahnhof Museumsinsel. Wer ab Zeughaus startet, sieht zusätzlich: Kupfergraben, Spreekanal, Lustgarten, Kronprinzenpalais, Eiserne Brücke, Schlossbrücke und die historische Fassade des Humboldt Forums.

Hackesche Höfe

Sehenswert sind auch die Hackeschen Höfe.
Sie wurden 1906 erbaut, sind Europas größtes zusammenhängendes Hofareal und stehen seit 1977 unter Denkmalschutz. In den acht Höfen befinden sich viele kleine Shops, nette Restaurants und Kultureinrichtungen. Das Angebot ist vielfältig und besonders:
In Hof 2 findet man Sawade, Berlins älteste Pralinenmanufaktur; in Hof 4 Eat Berlin mit kulinarischen Spezialitäten aus Berlin (Süßes, Saures, Alkoholisches) und in Hof 5 die Firma Ampelmann, wo sich alles um die ostdeutschen Ampelmännchen dreht, von Schlüsselanhängern über T-Shirts bis zu Nudeln in Form der roten und grünen Männchen.
Wir sind sehr gemütlich durch die Höfe geschlendert und haben auch einiges als Mitbringsel und für uns selbst eingekauft.

Essen und Trinken

Wir haben während unseres Urlaubs überall gut gegessen. Besonders erwähnen möchte ich Curry 36, wo Andreas die Berliner Currywurst getestet und für gut befunden hat. Beim nächsten Berlin-Besuch wird es wahrscheinlich die vegane Currywurst auf Weizen- und Sojaproteinbasis werden. Pommes und Ketchup sind von vornherein vegan, eine vegane Mayonnaise wird auf Wunsch angeboten. Curry 36 hat mehrere Standorte in Berlin. Die Filiale am Bahnhof Zoo ist fast rund um die Uhr geöffnet. Neben Currywurst gibt es unter anderem auch Bouletten, Fleischspieß, Bockwurst, Kartoffel-, Nudel- und Krautsalat, Kaffee, Tee und Sekt.

Berliner Weisse mit Schuss musste ich unbedingt probieren, obwohl ich keine Biertrinkerin bin. „Berliner Weisse“ ist ein leichtes, säuerliches Weizenbier. Der „Schuss“ ist entweder Himbeer- oder Waldmeistersirup. Das Getränk ist dann also rot oder grün. Mir hat die süßere Variante mit Himbeergeschmack wesentlich besser geschmeckt, ähnlich wie Limonade.

In Berlin muss man auch Berliner Luft trinken, dachte ich. Es handelt sich um einen Pfefferminzlikör, den es neben „Original“ auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Ich habe Berliner Luft Schoko probiert. Sie schmeckt ähnlich wie After Eight und ist Geschmackssache!

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